Das Künstlerhaus – BBK Karlsruhe nimmt in diesem Jahr vom 19. Oktober bis 17. November mit einer eigenen Ausstellung an der Reihe «ZEITGLEICH – ZEITZEICHEN» teil, die der BBK Bundesverband alle drei Jahre deutschlandweit organisiert. Unter dem diesjährigen Thema «postdigital» präsentieren Mitglieder des BBK sowie Studierende der HfG Karlsruhe ihre Arbeiten in der Ausstellung.

"Online/Offline. Materielle Verknüpfungen im postdigitalen Zeitalter"

Der Begriff „Digitalisierung“ bedeutet einerseits den Vorgang der Überführung analoger Materialien oder Dokumente in digitale Information, also den konkreten Prozess dieser informationstechnischen Umwandlung. Andererseits wird der Begriff auch für die Effekte dessen verwendet, für die gesellschaftliche Veränderung, den die allgegenwärtige elektronische Datenverarbeitung oder die Arbeit mit elektronischen Daten nach sich zieht.
Der Umgang mit digitaler Information und mit digitalen Werkzeugen jeden Maßstabs ist in unserem Alltag so umfassend, dass schon 1998 von „Postdigitalität“ gesprochen wurde. Was bedeutet dieser Wandel, wie merkt die oder der Einzelne, dass digitale Technik selbstverständlicher Teil des Lebens geworden ist? Statt diese Entwicklung euphorisch zu befürworten oder pessimistisch zu bedauern, zeigt die Ausstellung künstlerische Arbeiten, die den Blick sowohl auf Details werfen als auch auf größere Zusammenhänge unseres Lebens in einer digitalen Umwelt.

Die Fähigkeit zur Vernetzung beruht auf Standardisierung von Formaten und Schnittstellen. Ohne Standards erreicht man keine Austauschbarkeit, dahinter steht ein großer logistischer Aufwand. Auch das Umwandeln analoger Dokumente in wieder auffindbare, verwendbare digitale Artefakte ist mit enormen zeitlichem Einsatz verbunden, der häufig unterschätzt wird, wenn von der Schnelligkeit digitaler Medien die Rede ist. Gleichzeitig sind Speichermedien entscheidend für Übertragungsraten und Kapazitäten. Welches Verhältnis zur Zeit schafft Digitalität?

Einige Zusammenhänge erfahren qualitative Verschiebungen: tendenziöse Schlagzeilen gab es bereits in den Printmedien. Fake News haben vor allem durch ihre unmittelbare Verbreitung und globale Reichweite in den Social Media Kanälen eine andere Wirkung. NutzerInnen müssen zu unterscheiden lernen, welche Quellen verlässlich sind und welche neuartigen Fallen in digitalen Zusammenhängen lauern: was sind die Möglichkeiten der Manipulation, und wer pflegt die digitalen Strukturen und schützt unsere Daten im Gesundheitswesen, in den Sozialen Medien, im Verkehr? Welche Arbeit steckt im Digitalen?

Ihre allererste Entwicklung in den Lochkarten mechanischer Webstühle nehmend stammen Codes aus dem Zusammenhang des Handwerks und bereiteten dessen Industrialisierung vor. Dennoch sind diese Handwerkstechniken nicht verschwunden, sondern existieren weiter neben neuen, elektronischen Verfahren.
Auch Bücher werden weiterhin gedruckt. Statt in konfliktfreier Technikutopie oder Schöner neuer Welt leben wir stattdessen mit vielen technischen Gadgets, global vernetzt und mit meistens sekundenschnellem Zugang zu allen weltweit verfügbaren Informationen. Das wird nicht nur durch „das Smartphone [möglich], das gleichermaßen als Kamera, Spiegel, Wecker, Lupe, Lampe, Speichergerät, Musiklieferant, Spielzeug, Navigationsgerät und Telefon fungiert [...] Das Digitale ist keine virtuelle Realität, keine durch eine Matrix von Alltag und Kultur in irgendeiner Form abgetrennte Sphäre, sondern konstitutiver Akteur und integraler Bestandteil unseres alltäglichen Lebens.“ (Katja Kwastek auf Kunstforum.de) Wie sehen unsere Verknüpfungen des Analogen und des Digitalen aus?

KünstlerInnen: Gabriele Engelhardt, Markus Kiefer/Sandro Vadim, Iden Sungyoung Kim, Lilo Maisch, Agnes Märkel, Ben Meyer, Judith Milz, Nis Petersen/Alexander Theis, Gisela Pletschen, Hauke Rehfeld, Anja Schneider, Birgit Schott, Rasa Smite Gruppe (Vanny Bosch, Janis Zeckai, u.a.).

KuratorInnen: Lisa Bergmann, Dietmar Israel
AnsprechpartnerInnen HfG Karlsruhe: Friederike Schäfer, Jonas Zilius

Ausstellung vom 19. Oktober bis 17. November 2019

Fr., 18. Oktober, 19 Uhr
Vernissage mit Begrüßung durch Bürgermeister Dr. Käuflein
Ansprachen von Prof. Susanne Kriemann, HfG Karlsruhe, und Lisa Bergmann, BBK
live performance von fwd:flyingduckz:semester!
Musik: n. n.

Mi., 30. Oktober, 19 Uhr
Vortrag von Ariana Dongus, „My Mother was a Computer. Über die Anfänge der Programmierung“

Mi., 13. November, 19 Uhr
Roundtable: Keynote von Katharina Weinstock und KünstlerInnengespräch

So., 17. November, 15 Uhr
Finissage mit Lesung von Judith Milz und Konzert n. n.

Mehr Informationen zur Ausstellung und zum BBK:
https://www.zeitgleich-zeitzeichen.de/ausstellungen/baden-wuerttemberg/verknuepfungen-karlsruhe/

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