aspect-ratio 10x9 Bildnachweis: Künstlerhaus Stuttgart, 2023. [Bildbeschreibung: Ein schwarzer Koffer mit brauner Zierleiste, braunem Griff und silbernen Verschlussschnallen liegt flach auf einem grauen Betonboden.]

Bildnachweis: Künstlerhaus Stuttgart, 2023. [Bildbeschreibung: Ein schwarzer Koffer mit brauner Zierleiste, braunem Griff und silbernen Verschlussschnallen liegt flach auf einem grauen Betonboden.]

In Zusammenarbeit mit der ABK Stuttgart und der HFG Karlsruhe laden wir ein zur öffentlichen Präsentationen der Teilnehmenden der Seminarreihe "Reparative Futurities" im Künstlerhaus Stuttgart:

19. Dezember 2023 um 19.00 Uhr

Teilnehmende: Constanze Bahlo Arianna Ballin Pierre-Eric Baumann Antonia Maria Christl Marta Frasson Lukas Klein Rosa Klingelhöfer Jannik Lang Suwon Lee Lasse Peters Dario Schmid Carolina Lara Simunovic Xy June Li Hanna Araujo Ulmer

Füsun Türetken, Architektin, Künstlerin und Professorin an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung (HfG) Karlsruhe und Heba Y. Amin, Künstlerin und Professorin an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste (ABK) Stuttgart, veranstalteten am Künstlerhaus Stuttgart eine Seminarreihe, in dem sie mit Studierenden ortsbezogene Interventionen und Methoden der Zukünftigkeit entwickeln, die mit fortdauernden Geschichten von Trauma ringen.

Die Durchführung des Seminars vor Ort im Künstlerhaus Stuttgart bedeutete zwangsläufig, sich mit einem unmittelbaren Ort des Traumas auseinanderzusetzen - mit dem historischen Erbe des Künstlerhauses Stuttgart als Kunstinstitution die ein Gebäude mietet, das 1935 im Zuge einer Enteignung durch die Nationalsozialisten erworben wurde. Es ist gemeinhin bekannt, dass Kunstinstitutionen oft zutiefst kontaminierte Orte sind, die die lebendige Geschichte, symbolischen Systeme und operativen Strukturen von staatlicher Gewalt sammeln, präsentieren und verkörpern. Wie können diese Orte im Kunstsystem mit anderen Mitteln besetzt und zum Zweck anderer Zukünfte umfunktioniert werden? Welche spezifischen, auf reparative Zukünfte und Reparationen ausgerichteten Methodologien könnten entwickelt und angewendet werden? Welche Beiträge können Kunstschaffende zum dem seit langem bestehenden Projekt der Wiedergutmachungen und den damit zusammenhängenden Diskursen leisten?

Zoé Samudzi schreibt: „Reparationsdiskurse formulieren eine Grammatik der Zukünftigkeit: Sie artikulieren nicht einfach nur eine Welt, die es nicht gibt, sondern eine, die durch Versuche, historische Schäden und Traumata wiedergutzumachen, hergestellt werden könnte.“ (Zoé Samudzi, „Reparative Futurities: Thinking from the Ovaherero and Nama Colonial Genocide“, The Funambulist, Nr. 50.

Die Seminarreihe am Künstlerhaus Stuttgart wurde als kreatives, sich entfaltendes Wiedergutmachungsprojekt entwickelt. Innerhalb dieses Projekts fungiert das Konzept der „Zukünftigkeit“ als Technik ontologischer Rekonstruktion – es fordert historisch gewachsene und gefestigte Erwartungen heraus, und erneuert die Inkraftsetzung einer Zukunft, die weder resigniert noch ausgesöhnt ist. Diese Technik aktiviert das Erzählen und die Realisation der Vergangenheit – durch Texte, Bilder, Interventionen und Situationen – als fortdauerndes kritisches Projekt, das stets aktualisiert werden muss und sich in der Gegenwart manifestiert. Im Rahmen des Seminars entwickeln Studierende Methoden der Zukünftigkeit und ihre eigenen „Grammatiken der Zukünftigkeit“, indem sie sich mit der belasteten Geschichte des Gebäudes des Künstlerhaus Stuttgart auseinandersetzen. Die Seminarreihe befasst sich mit der Frage, wie Künstler und Künstlerinnen ortsbezogene Methoden anwenden, und steht im Dialog mit zwei Werken der Künstlerin Maria Eichhorn. Im Oktober dieses Jahres arbeiteten die Seminarteilnehmenden vor Ort in Venedig und reagierten auf Eichhorns Projekt im Deutschen Pavillon der Venedig Biennale. Im November begannen die Studierenden dann im Künstlerhaus Stuttgart zu arbeiten, um sich mit Eichhorns laufender Arbeit auseinanderzusetzen, die sich mit der Geschichte der Eigentumsverhältnisse im Künstlerhaus Stuttgart befasst. Die Seminarreihe und die öffentlichen Präsentationen am 19. Dezember befassen sich mit der Geschichte und der weiteren Nutzung dieses besonderen Gebäudes und stellen künftige Möglichkeiten der Wiedergutmachung vor, die sich auch auf andere Orte innerhalb und außerhalb des deutschen Kontextes übertragen lassen.

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