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Foto: Severin Geißler und Kathrin Rüll

PEPVCPTFEPEG kombiniert in Anlehnung an eine chemische Verbindung die Polymerstrukturen von PE, PVC, PTFE, PEG zu einer monströsen Kette aus verschiedenen Kunststoffen. In der aktuellen Debatte konzentriert sich die Diskussion auf die langfristigen Auswirkungen der Mikrokunststoffe, d.h. auf die kleinen Partikel, in die sich der Kunststoff zerlegt. Kunststoffe, als (halb-)synthetische organische Verbindungen, wurden ursprünglich wegen ihrer "Plastizität" entwickelt. Sie sind speziell formbar und können in fast jedes beliebige Objekt eingegossen werden. Dies ist aber auch der Grund, warum Kunststoff ein sehr instabiles Material ist - Kunststoff lebt. Dem Wetter ausgesetzt, und vor allem auf dem offenen Meer, zerfällt es schnell in "Meerjungfrauentränen“ (mermaid tears). Der Begriff erfasst das Dilemma der Situation, Millionen dieser bunten, kleinen Perlen an den Stränden zu finden.

Es sind die kaum sichtbaren und langfristigen Auswirkungen von Prozessen wie Mikrokunststoffen auf das Ökosystem, die Rob Nixon unter dem Begriff „schleichende Gewalt“ (slow violence) subsumiert. Erst in jüngster Zeit ist die Mikrokunststofftechnik in der Öffentlichkeit aufgetaucht, hat sich aber schnell zu einem viel diskutierten Thema entwickelt. In zwei Seminaren der HfG Karlsruhe sowie auf einer Forschungsreise nach Sri Lanka unter der Leitung von Prof. Susanne Kriemann und Friederike Schäfer entwickelte eine Gruppe von Studierenden prozessorientierte Arbeiten zur Erfassung dieser Themen. Sie analysierten und dokumentierten Momente der „schleichenden Gewalt" in den Landschaften der südasiatischen Insel und berücksichtigten dabei ihre eigenen Beziehungen und Handlungen in Bezug auf Kunststoff in ihrem Alltag. In ihren Forschungen entdeckten sie außerdem, dass Kunststoff nicht nur zerfällt und unser Wasser und die von ihm abhängigen Tiere vergiftet, sondern dass er auch die Grundlage für neue Hybridformen ist, die sich in und mit dem Kunststoff entwickeln - er lebt.

Die Ausstellung PEPVCPTFEPEG in den Projekträumen uqbar und Kronenboden ist das Ergebnis der gemeinsamen Forschung. Für ihre Arbeit entwickelte jede/r StudentIn einen individuellen Ansatz, um diese entropische Umweltbedingung zu erfassen und/oder einzufangen. Die hier vorgestellten Arbeiten sind als Reflexionen über die anstehende Aufgabe zu verstehen, geeignete Methoden zur Dokumentation der Langzeitfolgen von „schleichender Gewalt" - und unserer eigenen Verwicklung - zu finden.


Beteiligte Studierende

Alexander Theis, Annette Hürter, Eleanora Pfanz, Hanna Jurisch, Jonas Zilius, Iden Sungyoung Kim, Leonie Mühlen, Minh Duc Pham, Nis Petersen, Silvie Wipfler, Vera Gärtner

Location: uqbar und Kronenboden, Schwedenstraße 16, 13357 Wedding
http://projectspace.uqbar-ev.de für Öffnungszeiten und mehr Informationen

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