Bauhaus Dessau. Photo: Lasse Peters (2026)
Archiv, Stiftung Bauhaus Dessau. Photo: Paul Bailey (2026)
Archive materials of ‘Grün im Spiegel’ by Margaret Camilla Leiteritz (1962), Städtische Galerie Karlsruhe. Photo: Paul Bailey
Documentation of seminar session HfG Karlsruhe, 2025–26. Photo: Paul Bailey
Die Queerying Bar ist ein temporärer queerer sozialer Raum, der von Studierenden der HfG Karlsruhe im Rahmen des Seminars Among Ghosts: Queerying Bauhaus entworfen und betrieben wird. Untergebracht in einem umgebauten Lkw im Lichthof der HfG, öffnet die Bar während des Rundgangs als Treffpunkt, performative Schnittstelle und Ort gemeinsamer Auseinandersetzung.
Historisch gesehen haben Bars als zentrale Infrastrukturen queeren Lebens fungiert – als Räume des Zusammenkommens, des Austauschs und der informellen Wissensproduktion, die jenseits der Reichweite offizieller Kultur existieren. Inspiriert von dieser Tradition versteht The Queerying Bar die Bar als eine Form sozialer Architektur: einen temporären Raum, in dem Forschung zu Atmosphäre, Geste und Begegnung wird.
Die Bar greift auf Forschungen zurück, die im ersten Teil des Seminars entwickelt wurden und in denen Studierende übersehene und unterdrückte queere Geschichten des Bauhauses und seiner Vermächtnisse untersuchten – Personen, die die Schule durchliefen, ohne offizielle Spuren zu hinterlassen, Räume, die Leben Schutz boten, die in der Öffentlichkeit nicht sicher sichtbar werden konnten, sowie Formen kollektiven Lebens, die die Institution vorzugsweise nicht benannte. Diese Forschung, veröffentlicht auf UMBAU, dem Online-Journal der HfG, bildet das konzeptionelle und narrative Rückgrat der Bar. Anstatt Ergebnisse in einem traditionellen akademischen Format zu präsentieren, aktiviert, erprobt und verkompliziert die Queerying Bar diese Arbeit live – durch Veranstaltungen, Performances, Diskussionen, Rituale und partizipative Begegnungen, die von den Studierenden selbst gestaltet und veranstaltet werden.
Die visuelle Identität der Bar, das räumliche Design, gedruckte Ephemera und das Programm wurden im Laufe des Semesters gemeinsam entwickelt. Besucher:innen erwartet ein wechselndes Programm an barbasierten Formaten, darunter kommentierte Getränkekarten, Karaoke-Vorlesungsperformances, performative Scores und kollektive Rituale.
Amongst Ghosts: Queerying Bauhaus ist ein zweiteiliges Seminar unter der Leitung von Prof. Charlott Eifler und Prof. Paul Bailey.
Teil 1, der im Wintersemester 2025–26 stattfand, entwickelte Forschung zu queeren Geschichten des Bauhauses und seinen institutionellen Vermächtnissen durch eine Reihe von Begegnungen mit Wissenschaftler:innen, Künstler:innen, Archivar:innen und Orten. Zu den Gästen gehörten die Historikerin Elizabeth Otto (Harvard), die Performancekünstler Mike Dele Dittrich Frydetzki und Raiko Sánchez, die HfG-Kolleg:innen Prof. Line-Gry Hørup, Prof. Simon Sheikh und die lokale Wissenschaftlerin Prof. Nina Rind, der Kurator Erec Gellautz am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien, sowie Oliver Klimpel, Leonie Fischer und Dr. Sylvia Ziegner am Bauhaus Dessau. Die studentischen Forschungen aus diesem Teil des Seminars werden im Rahmen des Rundgangs auf UMBAU veröffentlicht.
Teil 2, der im Sommersemester 2026 stattfand, übersetzt diese Forschung durch die Gestaltung und den Betrieb der The Queerying Bar in eine räumliche und performative Praxis. Die Gäste Rosen Eveleigh und Sam Dolbear steuerten einen virtuellen Bar-Rundgang durch nächtliche homosexuelle Treffpunkte bei, und die HfG-Kollegin Karolina Sobel führte in Forschungen zu lesbischen Bars und queeren Szenen in Osteuropa ein. Die Studierenden arbeiteten gemeinsam an der Entwicklung aller Aspekte der Bar – von ihrer visuellen Identität und gedruckten Ephemera bis hin zu ihren Hosting-Protokollen und dem Veranstaltungsprogramm. Das Seminar versteht Design nicht als die Produktion fertiger Objekte, sondern als eine Form sozialer Praxis: als eine Möglichkeit, Räume für Begegnungen zu schaffen, die Institutionen üblicherweise nicht offenhalten.
Die The Queerying Bar ist das öffentliche Ergebnis des Seminars – temporär, vorläufig und getragen von der Idee, dass eine Bar ein Forschungslabor, ein lebendiges Archiv und ein Ort sein kann, an dem das, was übersehen wurde, endlich sichtbar wird.
TeilnehmerInnen Teil 1: Lucia Böhm Jessica Kessler Laura Weser Asimina Sideris Sonnwinn Eckhardt Lasse Peters Lena Klevenow Michael Köder Alissa Christian Marie Herrndorff Jule Köpke
TeilnehmerInnen Teil 2: Lucia Böhm Asimina Sideris Michael Köder Alissa Christian Marie Herrndorff Jana Trampert Sonnwinn Eckhardt