Ege Bayraktar & Benedikt Endres
The Deadly Speech Tonight untersucht die Macht der Sprache am Beispiel der mehrfach mit dem Emmy ausgezeichneten satirischen Nachrichtensendung Last Week Tonight with John Oliver.
Mit Methoden aus der Computerlinguistik und dem maschinellen Lernen analysiert das Projekt Drehbücher aus dem umfangreichen Archiv der Sendung. Named entity recognition, Vektor-Embeddings und Algorithmen zur Dimensionsreduktion machen verborgene Beziehungen zwischen Personen, Organisationen, Unternehmen, Ländern, Ereignissen und wiederkehrenden Themen sichtbar.
Anstatt Sprache als lineare Erzählung darzustellen, zeigt die Installation sie als komplexes Netzwerk von Assoziationen. Entitäten, die häufig gemeinsam auftreten, bilden semantische Cluster und legen Diskursmuster offen, die innerhalb einzelner Episoden oft unsichtbar bleiben.
Die fertige Installation präsentiert eine interaktive Umgebung aus dynamischen Wortwolken-Clustern, gegliedert in dreizehn thematische Kategorien, die sich durch Olivers Werk ziehen. Besucherinnen und Besucher können diese semantischen Landschaften erkunden, Beziehungen zwischen Entitäten entdecken und nachvollziehen, wie Sprache Erzählungen über aktuelle gesellschaftliche Themen konstruiert.
Indem die Arbeit eine groß angelegte Textanalyse in ein immersives visuelles Erlebnis übersetzt, reflektiert sie über den sogenannten „John Oliver Effect" – die Fähigkeit medialer Erzählungen, das öffentliche Bewusstsein und den politischen Diskurs zu prägen – und versteht Sprache nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern als aktive Kraft, die Wahrnehmungen, Institutionen und gesellschaftliche Realitäten formen kann.
Ege Bayraktar
Ege Bayraktar studiert Medienkunst an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG Karlsruhe). Zuvor studierte er von 2017 bis 2022 Molekulare Biotechnologie an der Universität Heidelberg, wo er seinen Bachelor-Abschluss erwarb, und absolvierte anschließend einen Master-Studiengang in Bioinformatik an der Goethe-Universität Frankfurt.
Seine künstlerische Praxis bewegt sich an der Schnittstelle von computergestützten Methoden, Künstlicher Intelligenz und generativer Kunst. Mit maschinellen Lernmodellen, kreativen Programmierumgebungen wie p5.js und umfangreichen Datensätzen entwickelt er audiovisuelle Systeme, die Emergenz, Komplexität und das Verhältnis zwischen menschlicher Wahrnehmung und algorithmischen Prozessen erforschen. Sein aktuelles Studium konzentriert sich auf das künstlerische Potenzial datengetriebener Systeme und zeitgenössischer digitaler Medien.
Benedikt Endres
Benedikt Endres studiert Medienkunst an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG Karlsruhe). Vor Beginn seines Studiums verbrachte er zwei Jahre am Badischen Staatstheater Karlsruhe, wo er im Bereich Kommunikation und Marketing tätig war und außerdem als Produktions- und Regieassistent bei verschiedenen Theaterproduktionen mitwirkte.
Seine künstlerische Praxis umfasst inszenierte Fotografie, mediale Szenografie und die digitale Transformation theatraler Räume. Besonders interessiert ihn das Verhältnis zwischen darstellenden Künsten und neuen Technologien – er untersucht, wie digitale und analoge Formate sich überschneiden, sich gegenseitig beeinflussen und neue Möglichkeiten der Publikumsbeteiligung schaffen. Seine Arbeit befasst sich mit der Rolle von Medien in performativen Kontexten und dem sich wandelnden Charakter zeitgenössischer kultureller Produktion.