© Erik Grunder
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Eine angewandte Materialstudie zu 2.5mm Schälfunier
Schälfurnier ist eine der wenigen Holzgewinnungsmethoden, die sich an der natürlichen, runden Form des Baumes orientiert. Ein zuvor entasteter und gedämpfter Stamm rotiert horizontal gegen eine lange Klinge ähnlich einem Spitzer für Stifte. Dabei entsteht eine kontinuierliche Bahn aus Holz. Da keine klassische Sägemechanik zum Einsatz kommt, fällt kaum Staub an und es entsteht nahezu kein Materialverlust durch Sägeschnitte. Durch das rotatorische Arbeiten am runden Stamm ist der Materialertrag besonders effizient. Im Vergleich zum Aufsägen eines Stammes im Sägewerk bei dem ein runder Stamm in eckige Massivholzteile zerlegt wird liegt der Ertrag etwa 30–40 % höher.
Furnier wird meist dekorativ eingesetzt, um Oberflächen aufzuwerten. Eine tragende Rolle erhält es vor allem in sperrverleimten Schichtwerkstoffen, in de nenes im Verbund überraschende Stabilität und gestalterische Flexibilität entwickelt. Durch kleine Interventionen im Produktionsprozess lässt sich das Furnier nicht nur als einzelne Blätter, sondern als kontinuierliche Rolle mit definiertem Maß entnehmen. Diese Rolle bildet den Ausgangspunkt und Rohstoff für eine Möbel-Kleinserie.
Die Serie „2.5“ untersucht die strukturellen Möglichkeiten dieses Materials durch eine Neuinterpretation klassischer Verarbeitungsmethoden.
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2.5.H1
Ein Hocker mit zweifach gekrümmter Sitzschale aus form verleimtem Furnier. Ein extrudierter Kantenanleimer setzt sich spiralförmig im Inneren fort und bildet eine tragende Struktur. Die durch die Geometrie der Sitzschale entstehende Schattenfuge zum Boden legt zugleich die textile Erscheinung der natürlichen Verwerfungen offen, die im Furnier während des Trocknungsprozesses entstehen.
2.5.R1
Ein Wandregalsystem, das die Kontinuität der Furnierrolle nutzt, die durch ihr frühzeitiges Entnehmen im Produktionsprozess möglich wird. Eine dünne Sperrschicht stabilisiert die Faserstruktur und nimmt Zugkräfte auf die sie zu den frei Plazierbaren Klemmträgern leitett. So bleibt eine minimale Materialstärke bei maximaler Flexibilität erhalten. Frei platzierbare Regalträger ermöglichen eine spielerische Gestaltungsfreiheit und erzeugen ein leichtes, dennoch tragfähiges Regalsystem mit geringem Materialeinsatz.
2.5.R2
Ein Wandregal, das die Querfasern des Furniers entlang der kurzen Seite nutzt. Was zunächst wie eine Schwäche erscheint, ermöglicht durch die Sicherung der Kanten eine hohe Stabilität bei sehr geringer Materialstärke. Die Fixierung erfolgt ausschließlich entlang der Wandseite. Natürliche Verwerfungen im Material erzeugen dabei eine spannungsreiche Interaktion zwischen den Furnierschichten und eine ausdrucksstarke Stirnseite.
2.5.S1
Der Sessel verbindet Formverleimung mit Prinzipien des Kassettenbaus. Querfaseriges Furnier leitet Kräfte direkt zu zwei tragenden Längsfriesen. An besonders belasteten Stellen verdoppelt sich das Material, ohne zwingend verklebt zu werden. Windungen unter der Sitzfläche legen die Konstruktion offen. Starre Verbindungen entstehen nur dort, wo sie notwendig sind, sodass die Flexibilität des Materials vollständig genutzt wird und Komfort sowie eine natürliche Dämpfung entstehen.