Julia Feininger „Teufelchen und Feenmädchen“
Was ist Camp, und wie lässt sich seine Ästhetik definieren? Lässt sich Camp überhaupt fassen?
Camp beschreibt eine Wahrnehmungsweise, die das Künstliche, Übertriebene und Theatralische an kulturellen Phänomenen – seien es Filme, Mode oder Designobjekte – bewusst wertschätzt, statt es als Makel zu sehen. Dieses Gespür für das Campige wird vor allem von queeren Menschen erlernt und ist daher für viele kein vertrauter Begriff. Im Seminar „Amongst Ghosts: Queering Bauhaus" suchte Michael Köder nach queeren Perspektiven und Geschichten innerhalb der Bauhaus-Schule. Beim Blick auf das Bauhaus durch eine campige Linse stößt er auf Schätze – bekannte wie weniger bekannte Bauhaus-Projekte, die geradezu nach Camp schreien. In einer Leseperformance mit Karaoke-Elementen nutzt Köder Bauhaus-Projekte, um ein Gefühl für Campiness in jedem Menschen zu wecken.
Michael Köder studiert Kommunikationsdesign an der HfG Karlsruhe mit einem Schwerpunkt auf spielerischen, haptischen und multimedialen Annäherungen an gesellschaftliche Themen. Projekte werden oft durch Objekte, 3D-Animationen oder eine Kombination beider realisiert. Als Grafikdesigner spielt er mit sinnlichen Erfahrungen durch die Wahl von Papier, Druck- und Bindetechniken. Jede Arbeit ist sorgfältig so gestaltet, dass Informationen nicht nur durch Lesen, sondern über mehrere Sinne vermittelt werden. Die Themen seiner Arbeiten kreisen oft um gesellschaftliche Fragen – von so Einfachem wie gemeinsamem Spielen bis zu sensibleren Themen wie der Scham über Blutflecken in Kleidung. Alle seine Arbeiten setzen auf eine Form der Interaktion, um individuelle und persönliche Erfahrungen zu schaffen.