Über einem Quilt, der den Rhein in seiner natürlichen und begradigten Form zeigt, hängen fünf beleuchtete Laternen mit Motiven aus Calibans Leben, eine schwarze Fähre und ein Schwarm Tigermücken. Begleitet wird die Installation von einem Soundstück. Gemeinsam erzählen die Elemente die Geschichte Calibans, der versucht, sich in einer Welt zu orientieren, deren Kategorien nicht ausreichen, um seine Erfahrung zu beschreiben.

Die Arbeit folgt zunächst der Logik des Märchens vom hässlichen Entlein. Die wiederholte Begegnung mit dem Anderen wird dort als Erfahrung von Ablehnung erzählt. Erlösung verspricht erst die Begegnung mit den eigenen Gleichen. Das Märchen entwirft damit eine Vorstellung von Identität und Zugehörigkeit, die auf Ähnlichkeit beruht und die Welt in klare Kategorien von Eigenem und Anderem ordnet.

Anhand der Figur Caliban untersucht die Arbeit, was geschieht, wenn Zugehörigkeit und Identität nicht durch Herkunft, Ähnlichkeit oder Ankunft hergestellt werden können.

Während der Schriftsteller und Denker Édouard Glissant Identität als etwas versteht, das in Beziehung entsteht und sich fortwährend verändert, folgen auch die afroamerikanischen mündlichen Erzählungen um die Trickster-Figur Brer Rabbit keiner endgültigen Auflösung. Anders als im Märchen vom hässlichen Entlein führt die Suche hier nicht zu einem Zustand dauerhaften Gleichgewichts. Stattdessen offenbart sich eine andere Logik, in der Identität und Zugehörigkeit nicht durch die Begegnung mit den eigenen Gleichen entstehen, sondern durch fortwährende Beziehungen, Verschiebungen und Neuorientierungen.