© Alejandra Miranda Janus
© Alejandra Miranda Janus
© Alejandra Miranda Janus
Die Arbeit entstand im Seminar Frameworks of Fiction in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Mannheim. Ausgangspunkt des Seminars war die kritische Auseinandersetzung mit der Sammlung der Kunsthalle Mannheim, insbesondere mit historischen Gemälden und den Bildkonstruktionen, die sie repräsentieren. Die Studierenden konnten frei ein Werk aus der Sammlung als Ausgangspunkt ihrer eigenen künstlerischen Arbeit wählen. Thematisiert wurden unter anderem Die Erschießung Kaiser Maximilians, Der türkische Frauenraub sowie Anselm Feuerbachs Hafis an der Schenke, das den Ausgangspunkt dieser Arbeit bildet.
Ausgehend von Feuerbachs Hafis an der Schenke werden die kolonialen Bildpolitiken und hierarchischen Konstruktionen des Gemäldes dekonstruiert.
Figuren, die im Original gesichtslos bleiben oder lediglich als Staffage erscheinen, erhalten Individualität, ein Gesicht und Handlungsmacht.
Durch ihre neue Anordnung entstehen Beziehungen, die von Empathie, Zärtlichkeit und gegenseitiger Fürsorge geprägt sind. Die zentrale Stellung des persischen Dichters Hafis wird zugunsten eines kollektiven Gefüges aufgelöst.
Gleichzeitig richtet sich die Arbeit gegen die Vorstellung des Künstlers als herausragendes Einzelgenie, das losgelöst von seiner Gemeinschaft schöpft. Dieser Idee wird ein Verständnis künstlerischer Praxis gegenübergestellt, das Gemeinschaft, gegenseitiges Zuhören, Fürsorge und Zusammenarbeit als Grundlage kreativen Handelns begreift. Künstlerisches Schaffen erscheint nicht als isolierter Akt, sondern als Ergebnis sozialer Beziehungen und gemeinschaftlicher Prozesse.
Die Rauminstallation besteht aus acht frei hängenden Leinentüchern, die mit verschiedenen Nähmaschinenstichen bearbeitet wurden. Mehrere Bildfragmente lösen die Figuren aus Feuerbachs ursprünglicher Komposition heraus und setzen sie in neue räumliche Beziehungen zueinander. Die hierarchische Bildordnung des Originals weicht einem offenen Geflecht aus Körpern, Blicken und Begegnungen.
Die Materialität der Installation steht bewusst im Kontrast zur Tradition der Malerei. An die Stelle der fest auf einen rechteckigen Keilrahmen gespannten Leinwand treten frei hängende Stoffbahnen, die durch ihre Beweglichkeit eine skulpturale Qualität entwickeln. Die Naht ersetzt den Pinselstrich. Während die Vorzeichnung in der Malereitradition lediglich als vorbereitender Arbeitsschritt galt, wird die Linie hier selbst zum bildgebenden Element. Als verbindende Spur zwischen den Figuren macht sie Beziehungen sichtbar und tritt an die Stelle der malerischen Geste.