aspect-ratio 10x9 Anda water letters

Anda water letters

Seit den 1960er Jahren bezeichnet „Expanded Cinema“ eine breite Palette von Film- und Projektionsereignissen, Performances und Umgebungen, bleibt jedoch ein ambiger Begriff, der widersprüchliche Dimensionen von Film- und Videokunst umfasst. Dieses Seminar setzt sich zum Ziel, die Ontologie des Expanded Cinema – die Seinsweise, den Status und die Existenzbedingungen als Kunstform und Praxis – zu verstehen, zu revidieren und zu gestalten, mit einem besonderen Schwerpunkt auf analogfilm-basierten Arbeiten.

Im praktischen Teil erkunden die Studierenden, wie ein Film zugleich Anleitung und Aufführung sein kann. Die Aufgabe besteht darin, mit der Lomokino – einer rudimentären 35mm-Kamera zwischen Fotografie und Film – kurze Anweisungen (Scores) filmisch umzusetzen. Ausgehend von instruktiven Stücken der Fluxus-Bewegung der 1960er Jahre entstehen Arbeiten, die sich durch ihre Kürze und Offenheit auszeichnen. Einige Teilnehmende re-enacten verschiedene Fluxus-Stücke, andere entwickeln daraus eigene Ansätze.

Zwei Herangehensweisen kann man daraus verfolgen: die Dokumentation einer aufgeführten Anweisung und die Wiederaufführung, bei der die Anweisung durch den Drehakt neu belebt wird. Das Drehen selbst wird dabei zur Aufführung, der Film selbst zur Anweisung.

Die analoge Arbeitsweise mit der Lomokino eröffnet durch ihre Beschränkungen – wenige Bilder, handgekurbeltes Gerät – neue Möglichkeiten. Die Begrenzungen werden nicht als Hindernis, sondern als produktive Bedingung verstanden. Die Aufnahmen bewegen sich zwischen fotografischem Bild, Aufführung und Bewegtbild, aber auch zwischen Dokumentation, Performance und Re-enactment. Die Arbeiten werden installativ in Koexistenz mit der vorgefundenen Architektur unter dem Treppenaufgang präsentiert.

Der Schlüsselgedanke ist, nicht nur die Grenzen von Bild, Leinwand oder Projektionsraum zu überschreiten, sondern Expanded Cinema als Erfahrung und Konzept zu begreifen, das sich auch in nicht-filmischen Medien als filmisch manifestiert, sowie Intermedialität und Transdisziplinarität weiterzuführen: Alle Medien beinhalten Elemente der jeweils anderen Medien in sich.

STUDIERENDE:

ANĐA

Anna Schär

Kim Gündel

Xiaoning Feng

Luca Maite Ihns

Ruby Balagizi

Paula Klaiber Huaynalaya

Pauline Friedrich

Ada Röderich

Betreuung: Maja Milic

Fachbereich: Medienkunst

ENTSTANDENE ARBEITEN:

ANĐA

MAIL EVENT, 1965 (Bici Hendricks)

Send water letters.

Anna Schär

EATING BUBBLES, 2026

Blow bubbles and catch them with your mouth.

Anna Schär

CROCHETING VIDEOTAPE, 2026

Pull a used videotape out of a cassette and start to crochet it.

Ruby BALAGIZI

NOTHING, 1962 (Ben Vautier)

Performers no nothing.

Kim Gündel

DOG ELEVATIONS, 2026

A dog at different elevations.

Kim Gündel

FALL (Lee Heflin, 1960s)

Throw things that are hard to throw because of their light weight.

Paula Klaiber Huaynalaya

CRAWLING, 2026

Crawl on ground.

Paula Klaiber Huaynalaya

DANCE MUSIC, 1963 (George Brecht)

gunshot

Luca Maite Ihns

BATHTUB, 1963 (Ben Vautier)

As many performers as possible jam themselves into a bathtub.

Luca Maite Ihns

TWO DURATIONS, 1961 (George Brecht)

red

green

Luca Maite Ihns

FALLING EVENT, 1963 (Mieko Shiomi)

  1. Let something fall from a hight.

  2. Lee yourself fall.

Pauline Friedrich

HOPPING PIECE, 2026

Stand next to something, pause, go on to another thing, pause. When done: run away.

Xiaoning Feng

A SUNNY DAY, 2026

Xiaoning Feng

THE WORST FILM IN THE WORLD, 2026

Ada Röderich

FOLLOW ME AROUND vlog, 2026

Based on:

EVENT SCORE, 1960s (George Brecht)

Arrange or discover an event.

Score and then realize it.