© Anna Manankina
"...that she is the shaped rather than the shaper; the apprentice rather than the master; the atmosphere, the background, the set, the surrounding against which the focused male figure vividly plays out the substantial action of civilization and its discontents."
— Vivian Gornick, referencing Valerie Solanas' S.C.U.M. Manifesto
In ihrem Projekt untersucht die HfG-Studentin Anna Manankina, wie der männliche Blick durch KI-Software reproduziert wird, wie Zensur und Sexualisierung in diesen Systemen koexistieren und wie sich die Vorstellung vom „großen Künstler“ sowohl im historischen als auch im zeitgenössischen Kontext hartnäckig hält.
Bei der Recherche in der historischen Gemäldesammlung der Kunsthalle Mannheim konzentrierte sich Manankina auf Anselm Feuerbachs „Hafis vor der Schenke“ (1852), das den persischen Dichter Hafez zeigt, wie er neben zwei schweigenden, regungslosen Frauen seine Gedichte vorträgt. Ihre Regungslosigkeit wirft eine Frage auf: Welche Stimmen könnten diese Frauen offenbaren, wenn sie von ihrer erzwungenen Zuschauerrolle befreit wären?
Das daraus entstandene Werk ist eine auf dem Gemälde basierende Zweikanal-Videoinstallation, die durch KI-Videogenerierung animiert und mit einer Live-Audioerzählung kombiniert wird, um die subjektiven Erfahrungen der Frauen nachzuempfinden. Theoretisch stützt sich das Projekt auf Valerie Solanas’ „S.C.U.M.-Manifest“ von 1967, einen Text voller unverfälschter Wut, der zu einer prägenden Kraft innerhalb des radikalen Feminismus wurde.
© Anna Manankina
Während der Produktion stieß Manankina auf die in generativen KI-Tools eingebauten Schutzmechanismen und Zensurmaßnahmen, was eine zentrale Frage aufwarf: Kann Mainstream-Gen-KI noch immer ein historisches Gemälde von sexuell expliziten Inhalten unterscheiden? In der Praxis ist dies oft nicht der Fall – wenn ein Gemälde mit auch nur einem subtilen Hinweis auf Nacktheit in das System eingespeist wird, neigen KI-Videogeneratoren dazu, es auf realistisch sexualisierte Weise darzustellen, um dann ihr eigenes Ergebnis als „schädlichen Inhalt“ zu kennzeichnen und zu blockieren.
Für Manankina offenbart dies einen Algorithmus, der nicht nur inkonsistent ist, sondern von einer dystopischen, patriarchalischen Logik geprägt ist – ganz im Sinne männlicher Künstler des 19. Jahrhunderts, die den weiblichen Akt zur „großen Kunst“ erhoben, während sie die Rollen, die Frauen darin spielen durften, streng einschränkten. Das Projekt kommt zu dem Schluss, dass diese „Frameworks of Fiction“ nach wie vor die alltäglichen Werkzeuge bestimmen, die wir nutzen, und stillschweigend entscheiden, welche kulturelle Produktion erlaubt ist – und was gestrichen werden muss.