Ausgangspunkt von Peter Oellerichs Arbeit ist eine Karte aus dem Jahr 1822, die die Pläne zur Erweiterung der wachsenden Stadt Karlsruhe zeigt.
Sie ist sorgfältig von Hand gezeichnet. Die damals bestehenden Teile der Stadt sind in Rot dargestellt, die geplanten Erweiterungen in Grau.
Besonders ins Auge fiel Peter Oellerich die Bezeichnung des Raums zwischen Stephanienstraße und Bismarckstraße als Zimmerplatz.
Im Jahr 1822 lag dieser Ort an der Schwelle zwischen dem Wald im Norden und der Stadt im Süden – genau dort, wo sich heute die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe befindet.
Ein Zimmerplatz war ein speziell für Zimmerleute vorgesehener Ort, an dem Bauholz gelagert, zugeschnitten und für die Montage auf der Baustelle vorbereitet wurde.
Das Gebiet, heute eine grüne Insel inmitten einer dichten städtischen Umgebung und Teil der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, war einst eine offene Lichtung, die dem Zimmerhandwerk gewidmet war.
Ein wichtiges Element eines Zimmerplatzes war häufig der sogenannte Reißboden – ein eigens dafür vorgesehener, in der Regel überdachter Bodenbereich, auf dem Bauzeichnungen im Maßstab 1:1 aufgezeichnet wurden. Die Längen einzelner Hölzer wurden direkt von diesem sogenannten Riss entnommen.
Zimmerplätze fanden sich vermutlich in jeder Stadt und Siedlung, deren Baukultur wesentlich auf Holz als Baumaterial beruhte.
Die Karte stammt von Friedrich Weinbrenner, dem deutschen Architekten und Stadtplaner. Er wurde 1766 in Karlsruhe als Sohn eines Zimmermanns geboren und starb 1826. Weinbrenner gilt als prägende Persönlichkeit des klassizistischen Stadtbilds Karlsruhes und als Gründer einer der ersten bedeutenden Architekturschulen Deutschlands, der Vorläuferin der heutigen Fakultät für Architektur am Karlsruher Institut für Technologie.
Seine berufliche Laufbahn begann Friedrich Weinbrenner selbst als Zimmermann.
Peter Oellerich (*2001) ist ausgebildeter Zimmerer und studiert seit 2023 Ausstellungsdesign und Szenografie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG).
Er arbeitet vorwiegend interdisziplinär an der Schnittstelle von Performance, Installation, Ausstellungsdesign, Szenografie, Schreiben und Kuration. Im Rahmen seiner künstlerischen Forschung nähert er sich unterschiedlichen Themen in Form ortsspezifischer Untersuchungen. Im Mittelpunkt stehen dabei Vorstellungen von Landschaft, der gebauten Umwelt sowie die Geschichte, Politik und kollektiven Prozesse ihrer Entstehung und Existenz. Seine aktuelle Arbeit konzentriert sich auf kollektive räumliche Praktiken, gemeinschaftsorientierte Projekte sowie auf die Aushandlung von Methoden zur Wahrnehmung unserer Umgebung.