Key Visual After Matter, Foto: Jaap Knevel
Living Library Aftermatter – A Gathering for Circular Un/making 📅 Donnerstag, 5. März 2026 🕓 16:00–22:00 Uhr 📍 HfG Karlsruhe
Wie lassen sich gesammeltes Wissen und Materialien in zirkuläre Praktiken überführen? Zum Abschluss der Projektlaufzeit lädt die Living Library zu einem Abend ein, an dem Gespräche, künstlerische Inputs und performative Gesten ineinandergreifen. Von Impulsvorträgen zu Afterlive und Urban Gardening über Soundperformances, bioregionalem Dinner-Picknick und Kompost-Ritual: Seid dabei und stoßt mit uns auf das Ende und den Neuanfang an! Zum Abschluss feiern wir den offiziellen Launch der Publikation – begleitet von Drinks und DJs. Mehr Infos bald via: https://livinglibrary.hfg-karlsruhe.de IG: biodesignlab_hfgk
Öffentliches Programm
16:00 Uhr - Welcome and informal gathering
16:30 Uhr - Panel 1 – Reading the Ground: Soil, Memory, and Cycles Wie lässt sich der Boden unter unseren Füßen lesen? In dem Panel wird Boden als Ort von Erinnerung reflektiert, an dem sich biologische, kulturelle und urbane Prozesse überlagern und sichtbar werden.
Franziska Müller-Reißmann: Soil as Living Archive Franziska Müller-Reissmann leitet die Materialsammlung (Materialarchiv) an der Zürcher Hochschule der Künste. Als Kunsthistorikerin und ausgebildete Tischlerin forscht sie zu Materialästhetik und Nachhaltigkeit und lehrt in den Bereichen Design, Szenografie und Kunstpädagogik. In ihrem Vortrag untersucht sie Boden als lebendiges Archiv von Kultur, Erinnerung und materiellen Kreisläufen. Ausgehend von Archäologie, Kompostierung und dem Anthropozän fragt sie, wie Erde Wissen speichert — und welche nachhaltigen Zukünfte daraus entstehen können.
Carmen Donet, Lena Widmann: Urbane Gärten Urbane Gärten Karlsruhe gGmbH wurde 2021 gegründet, um die Essbare Stadt zu fördern. An der Schnittstelle von Kunst, Design und ökologischem Gärtnern entwickelt die Organisation partizipative Projekte in Umweltbildung und lokaler Stadtpraxis. Gegründet von Lena Widman, die Design (BA) an der Freien Universität Bozen–Bolzano und Web Science (MSc) an der Technischen Hochschule Köln studierte, sowie Carmen Donet Garcia, die Philosophie, Kunstgeschichte und Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe studierte. In ihrem Beitrag stellen sie das Kompost Bike vor — einen emissionsfreien Lastenrad- Service, der organische Abfälle in Karlsruhe sammelt, lokal kompostiert und als Humus am Lernort FROG in den Anbau von Obst und Gemüse zurückführt. Indem urbane Nährstoffkreisläufe geschlossen werden, wird Abfall als Ressource sichtbar und Kompostierung als kulturelle Praxis für nachhaltige und resiliente Städte positioniert. Moderation: Julia Ihls
17:30 Uhr - PAUSE
18:00 Uhr - Panel 2 – From Objects to Relations: Designing Regenerative Futures
Was passiert, wenn Design über Objekte hinausgeht? Diese Session untersucht Praktiken, die Interdependenz, Zerfall und Zusammenarbeit als Grundlage zukünftiger Gestaltung begreifen.
Katharina Mischer (mischer’traxler studio) – Wandel im Werden mischer’traxler studio ist ein vielfach ausgezeichnetes Designstudio mit Sitz in Wien, gegründet 2009 von Katharina Mischer und Thomas Traxler. Ihre Arbeiten untersuchen die Beziehung zwischen Mensch und Natur und bewegen sich zwischen Produktdesign, interaktiver Kunst und Installation, wobei sie technologische und handwerkliche Ansätze miteinander verbinden. In ihrem Vortrag reflektiert Katharina Mischer über den Übergang zu achtsameren Designpraktiken und verknüpft konzeptionelles Denken mit Materialexperimenten und realisierten Projekten. Die Arbeiten zeigen eine Verschiebung von objektzentriertem Design hin zu relationalen und kontextsensiblen Ansätzen und thematisieren Verantwortung, Interdependenz sowie ein erweitertes Verständnis von Schönheit als offenen Prozess.
Yasmine Ostendorf-Rodríguez (Green Art Lab Alliance) – Fertilizig the Future Yasmine Ostendorf-Rodríguez ist Autorin, Kuratorin und Forscherin an der Schnittstelle von Kunst und Ökologie. Sie ist Gründerin und Direktorin der Green Art Lab Alliance, einem internationalen Netzwerk von Kunstorganisationen, das sich für soziale und ökologische Gerechtigkeit durch kollaborative, vom Myzel inspirierte Modelle einsetzt. Sie gründete und leitete unter anderem das Nature Research Department an der Jan van Eyck Academie, das Van Eyck Food Lab sowie die Future Materials Bank und arbeitet weltweit als Curator- und Writer-in-Residence. In ihrem Vortrag untersucht sie regenerative Ansätze in Kunst und Materialpraxis aus einer mykologischen Perspektive. Im Fokus stehen Kollaboration, Zersetzung und die Nachleben von Materialien sowie die Frage, wie ein bewusster Umgang mit Zerfall neue Perspektiven für Gestaltung und Zukunft eröffnet. Moderation: Jaap Knevel
Die Vorträge werden auf englisch und deutsch hybrid stattfinden, gestreamt und sind für die breite Öffentlichkeit zugänglich.
19:00 Uhr - Food Performance von The Other Archive
19:45 Uhr - Living Library Publikation Release mit Pleun van Dijk
20:00 Uhr - Interaktives Performance Programm
Paul Bießmann – Soil Sounds Paul Bießmann ist Musiker, Komponist und Digitalkünstler an der Schnittstelle von Kunst, Musik und Technologie. Seine Arbeiten erforschen gezielt Reibungspunkte zwischen diesen Bereichen und entstehen häufig in interaktiven und generativen Formaten: Das Publikum wird Teil von Klanginstallationen, Sensoren erfassen Bewegungen, und Smartphones fungieren als multiscreen-basierte Schwarm-Synthesizer. Er ist Gründungsmitglied des interdisziplinären HIDALGO-Kollektivs und war Artist in Lab im Fraunhofer-Netzwerk. Seine Arbeiten wurden unter anderem an der Bayerischen Staatsoper, im Deutschen Museum München sowie beim Beethovenfest Bonn präsentiert. In seiner Performance entwickelt er ein Live-Set für Modular-Synthesizer und Field Recordings, aufgenommen mit Geo- und Hydrophonen. Zwischen synthetischen Bässen und bröckelnder Erde entfaltet sich eine elektronische Klanglandschaft.
Fara Peluso – Compost Ritual In diesem meditativen Ritual wird Kompost zu einem gemeinsamen Raum der Transformation, in dem organisches Material nicht als Abfall, sondern als Anfang verstanden wird. Durch kollektive Gesten des Loslassens, Schreibens und Einbringens in den Boden setzen sich die Teilnehmenden mit Prozessen von Zerfall, Fürsorge und Regeneration auseinander. Das Ritual lädt dazu ein, persönliche und kollektive Zukunftsvorstellungen mit ökologischen Kreisläufen zu verbinden — im Vertrauen auf unsichtbare Prozesse, in denen Zersetzung zur Grundlage neuen Lebens wird.
Jaap Knevel – Map Decay In diesem partizipativen Format wird die analoge Karte der Living Library gemeinsam übermalt und transformiert. Als symbolischer Akt des Vergessens, Kompostierens und Loslassens hinterfragt der Prozess die Vorstellung eines Archivs als etwas Festes und Dauerhaftes. Durch kollektive Gesten des Übermalens und Überschreibens wird die Karte zu einem Ort des Übergangs — an dem Wissen nicht unverändert bewahrt, sondern neu verhandelt, zersetzt und für andere Bedeutungen geöffnet wird.
Open DJ Sets 21:00 Uhr