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Foto: Gin Bahc

The Erasable World, The Unerasable Image - Ausstellung mit HfG Studierenden im Off-Space

Wann: 1. bis 6. Februar Wer: HfG Studierende Wo: ßpace – Projektraum, die Anstoß e.V. , Fritz-Erler-Straße 7, 76133 Karlsruhe

Sprache, Zensur und Wirklichkeit

Sprache prägt, was wir denken und sehen. Unter der Trump-Regierung wurden in den USA bestimmte Wörter in öffentlichen Institutionen und im akademischen Kontext verboten. Wörter wie Transgender, Fetus, Diversity, Vulnerable, Evidence-based, Science-based verschwanden aus offiziellen Dokumenten. Zahlreiche Studien und Berichte mussten ohne ihre ursprüngliche Sprache verfasst werden – und wurden dadurch inhaltlich verfälscht. Wenn ein Wort gelöscht wird, wird auch die Realität ausgelöscht, auf die es verweist. Sprachzensur bedeutet immer auch Zensur der Wirklichkeit. Doch Bilder funktionieren anders.Wörter lassen sich verbieten. Das, was in Zeichnungen, Körpern und Animationen sichtbar wird, kann nicht in gleicher Weise gelöscht werden. Bilder sind abstrakter und vieldeutiger als Sprache. Sie entziehen sich der totalen Kontrolle durch Macht. Kunst überlebt in diesem Zwischenraum.

Die Ausstellung als kollektives Experiment

Diese Ausstellung ist ein kollektives Experiment innerhalb der Plattform FREIHANDZEICHNEN, eines Zeichnungskollektivs, das sich aus Künstler:innen der HfG Karlsruhe, insbesondere aus den Studiengängen Ausstellungsdesign und Szenografie (ADSZ) sowie Medienkunst, zusammensetzt.

Künstler:innen übersetzen 200 verbotene Begriffe in Zeichnungen. So entsteht ein alternatives Archiv für eine ausgelöschte Sprache. Gemeinsam mit dem Publikum führen die Künstler:innen vor Ort eine Aktzeichnungs-Performance durch. Aktmodelle nehmen Posen ein, die von diesen 200 Zeichnungen inspiriert sind. In der Interaktion zwischen Modell und Zeichnenden wird die Zeichnung zum Körper – und der Körper wiederum zur Zeichnung. Es entsteht ein performativer Kreislauf.

So wandern die verbotenen Wörter: von der Sprache ins Bild, vom Bild in den Körper, vom Körper zurück ins Bild und in die Zeit. Sie hinterlassen Spuren, die nicht ausgelöscht werden können. Politischer Kontext – über die USA hinaus.

Dieses Projekt blickt nicht nur auf ein Ereignis in den USA. Auch in Deutschland und Europa sind Begriffe wie „Genderwahn“, „Political Correctness“ oder „Cancel Culture“ politisch umkämpft und werden instrumentalisiert. Selbst Wörter wie „Migration“, „Diversity“ oder „Klimakrise“ werden von rechtspopulistischen Kräften diffamiert oder zum Ziel von Auslöschungsversuchen gemacht. Aus- gehend von Trumps Sprachpolitik stellt diese Ausstellung daher eine Frage, die heute auch in Deutschland dringend ist:

Welche Wörter lassen wir verschwinden, und welche verteidigen wir? Und wie kann Kunst die Leerstelle der verschwundenen Sprache neu besetzen?

Vernissage – Körper und Sprache

Setting: Roter Stoff liegt auf dem Boden – als Bühne für die Aktmodelle.

Ablauf: Ein Aktmodell wählt etwa 25 rote Zeichnungen aus den 200 Arbeiten zu den verbotenen Begriffen aus. Aus diesen Zeichnungen entstehen Posen, auf die Künstler*innen gemeinsam mit dem Publikum zeichnerisch reagieren. In dieser offenen Croquis-Session begegnen sich Körper und Linie: Die Zeichnung wird zur Performance. Die Performance wird zur Zeichnung.

Bedeutung: Rot = visualisierte, verbotene Sprache Der nackte Körper = unzensierte Wahrheit Croquis = flüchtige Spur, ein Archiv zweiter Ordnung Finissage – Verhüllen, Festhalten, Verwandeln

Teil 1 – Verhüllen

Das Publikum und die Künstler:innen schneiden den großflächigen roten Stoff, der auf dem Boden liegt, entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen zu und legen ihn um ihre Körper. Dabei werden Körper oder Gesichter verdeckt, verhüllt oder bewusst verfremdet. In diesem Zustand entstehen schwarz-weiße Sofortbild-Fotografien, die als persönliche Erinnerungsstücke mitgenommen werden.

Teil 2 – Verwandeln Der rote Stoff wird anschließend in feinere, kleinere Stücke zerschnitten und zu Schnüren miteinander verbunden.Publikum, Künstler:innen und alle Teilnehmenden knüpfen gemeinsam Knoten – so entsteht ein kollektives Quipu.

Was ist ein Quipu? Das Quipu der Inka war ein Schrift- und Aufzeichnungssystem sowie ein tragbares „Buch“ in Form von Knoten, das zur Speicherung

und Weitergabe von Wissen diente. In diesem Projekt verwandelt sich der rote Stoff durch kollektives Handeln in ein Erinnerungsobjekt. Das Quipu ergänzt das Thema der „verbotenen Wörter“, indem es eine alternative Form des Erinnerns jenseits von Sprache sichtbar macht.

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