shortnotice.studio aka Mathias Lempart und Sascia Reibel., Photo: Shortnotice Studio
Im Gespräch mit Shortnotice Studio aka Sascia Reibel und Mathias Lempart.
Hej Shortnotice! Ihr seid HfG Alumni – stellt euch doch gerne kurz mal vor:
Wir sind Mathias Lempart und Sascia Reibel von Shortnotice Studio, einem Grafikdesignstudio mit Sitz in Berlin. Wir arbeiten vor allem im Bereich visuelle Identitäten, Publikationen und digitale Anwendungen für kulturelle Institutionen, öffentliche Projekte und Auftraggeber aus Kunst und Bildung. Uns interessiert besonders die Verbindung von konzeptioneller Gestaltung, Typografie und klaren visuellen Systemen.
Was habt ihr an der HfG studiert?
Kommunikationsdesign + Produktdesign (beide)
Was hat euch zu Beginn eurer Studienzeit bewegt ein künstlerisches Studium anzutreten?
Mathias: Ausschlaggebend war für mich die Freiheit, Seminare über alle Fachbereiche hinweg völlig individuell belegen zu können. In diesem experimentellen Raum konnte ich meine künstlerische Praxis ohne disziplinäre Schranken entwickeln. Besonders die Verknüpfung mit den Theoriefächern empfand ich als Bereicherung, um meine Arbeit von Beginn an gedanklich zu schärfen.
Sascia: Mich hat damals vor allem die Möglichkeit gereizt, Gestaltung als eigenständige Form des Denkens zu begreifen. Visuelle Kommunikation hat mich besonders interessiert, weil sie zwischen unterschiedlichen Feldern vermittelt: zwischen Inhalt und Form, Theorie und Praxis. Ein künstlerisches Studium schien mir dafür der richtige Rahmen zu sein. Die HfG Karlsruhe hat genau diesen Raum geboten: Experimentelles Arbeiten und kritisches Nachdenken über Gestaltung. Rückblickend kann ich das so genau definieren, 2011 habe ich mich vom Bauchgefühl leiten lassen und hatte gehofft, dass die HfG genau das bietet.
Wisst ihr noch warum ihr ausgerechnet an die HfG Karlsruhe wolltet bzw. warum ihr euch (untern anderem) an der HfG beworben habt?
Uns hat an der HfG Karlsruhe besonders die Verbindung von künstlerischem Experiment und theoretischer Reflexion interessiert. Gestaltung wurde dort nicht nur als handwerkliche Disziplin verstanden, sondern als Teil eines größeren kulturellen und gesellschaftlichen Kontextes. Wir hatten das Gefühl, dass man dort nicht nur lernt zu gestalten, sondern auch lernt, über Gestaltung nachzudenken und eine eigene Position zu entwickeln.
Seit wann gibt es Shortnotice? Und was hat euch dazu bewegt zusammenzuarbeiten?
siehe Bild :D
Sascia und Mathias Antwort auf die Frage seit wann es shortnotice gibt., Photo: shortnotice studio
Und wenn ihr jemandem, der wirklich total unterm Stein lebt, erklären müsstet was ihr beruflich macht: Wie würdet ihr eure Arbeit erklären?
Siehe nächstes Bild :D
Photo: shortnotice studio
Ganz platt gefragt: Was macht euch am Beruf des Designers am meisten Spaß?
Mathias: Grafikdesign ist historisch betrachtet ohnehin eine hybride Disziplin, die sich aus verschiedensten Feldern speist. Mich begeistert dabei die enorme Bandbreite und die ständige Gelegenheit, durch intensive Kollaborationen tief in neue Themen einzutauchen, egal ob Popkultur, Kunstgeschichte oder Naturwissenschaften.
Sascia: Jeder Auftrag bringt ein neues Thema, einen neuen Kontext und damit auch neue Fragen mit sich. Der Prozess, diese Inhalte zu verstehen und in eine präzise visuelle Form zu übersetzen, ist für mich der spannendste Teil der Arbeit. Gleichzeitig interessiert mich, visuelle Systeme zu entwickeln, die nicht nur formal funktionieren, sondern auch eine klare Haltung und eine gewisse Eigenständigkeit haben.
Gibt es auch etwas, was ihr besonders herausfordernd findet und worauf ihr gerne verzichten würdet?
...siehe Bild :D
Dinge, die shortnotice nicht so gerne tun..., Photo: shortnotice studio
Seit 2026 habt ihr ein (neues) Logo im „The Sims“-Vibe, das verleitet uns dazu zu fragen: Das Designer-„Game“ in einer Großstadt wie Berlin ist sicher nicht einfach – wie schafft man es herauszustechen und die richtigen Kund*innen zu finden und von sich zu überzeugen?
Berlin ist eine sehr lebendige, aber auch sehr dichte Designlandschaft. Für uns war es deshalb wichtig, relativ früh eine klare inhaltliche und gestalterische Position zu entwickeln, statt zu versuchen, alles abzudecken. Viele Projekte entstehen über langfristige Zusammenarbeit, Empfehlungen und Netzwerke, besonders im kulturellen und institutionellen Bereich. Herauszustechen bedeutet für uns weniger, möglichst laut zu sein, sondern konsequent an einer eigenen Haltung und Qualität zu arbeiten. Über die Zeit entsteht daraus ein Profil, das die richtigen Auftraggeberinnen und Auftraggeber anspricht. Gleichzeitig ist es wichtig, sichtbar und präsent zu bleiben, sei es durch Veröffentlichungen, Ausstellungen, Vorträge oder digitale Präsenz. So baut man langsam ein Netzwerk auf, das zu den eigenen Interessen und Werten passt.
Und welchen Cheatcode habt ihr früher immer genutzt? ;) (wir erinnern uns noch an „Rosebud“)
S. Bild
Photo: shortnotice.studio
Was ist eigentlich aus dem vorherigen, süßen Apfel-Logo geworden?
S. Bild
RIP Apfel Logo..., Photo: shortnotice studio
Shortnotice heißt ja übersetzt so etwas wie „kurzfristig“/“unverzüglich“ – habt ihr den Namen mit einem kleinen Augenzwinkern ;) etwa bewusst gewählt, da in eurer Branche oft alles ganz schnell gehen muss? Oder was ist die Story hinter dem Studionamen?
Als wir uns 2020 recht spontan gegründet haben, entschlossen wir uns, unseren Namen und ein erstes Logo, sowie eine Website innerhalb eines Tages fix zu machen. In der Gestaltungsbranche muss vieles oft schnell gehen, und short notice beschreibt genau diese Situation. Gleichzeitig fanden wir interessant, dass der Begriff auch etwas über Aufmerksamkeit und Wahrnehmung sagt, also darüber, etwas bewusst wahrzunehmen oder zu bemerken. Wirklich lange nachgedacht haben wir also nicht, sondern darauf vertraut, dass sich Bedeutung und Beständigkeit über die Zeit von selbst ergeben. Bislang haben wir den Namen auf jeden Fall nicht bereut! Jedes Jahr zum Jahrestag gestalten wir allerdings unser Logo neu, ganz festlegen wollen wir uns also nicht.
Auf eurem Instagramkanal kann man wunderbar verfolgen was ihr alles Cooles auf die Beine stellt und wo ihr mitwirkt: Gibt es ein Projekt, eine Ausstellung etc., aus den vergangenen Jahren, auf das/die ihr besonders stolz seid?
In den letzten Jahren gab es einige Projekte, die uns besonders wichtig waren. Besonders interessant sind für uns Projekte im kulturellen und institutionellen Kontext, weil dort oft Raum für konzeptionelle und typografische Ansätze entsteht. Solche Arbeiten entwickeln sich meist über viele Iterationen und in engem Austausch. Die Biennale für Freiburg 3 war ein spannedes Projekt im letzten Sommer. Neben Publikationen, den Pressekanälen und einem Leitsystem haben wir den gesamten Auftritt der Biennale mitbestimmt. Wir haben uns vom kuratorischen Konzept inspirieren lassen und haben aktuelle sozio-technische Neuerungen direkt in die Gestaltung einbinden können.
Soft- und/oder Hardskills: Was habt ihr aus dem Studium an der HfG mitgenommen, was euch heute in eurer beruflichen Tätigkeit – vlt. sogar im Privaten – besonders weiterhilft?
Mathias: Ganz klar: Softskills. Die harten Skills der Branche habe ich erst außerhalb der Hochschule kennengelernt, aber die an der HfG erworbenen kommunikativen und konzeptionellen Fähigkeiten waren dabei ein unverzichtbares Rüstzeug, für das ich heute sehr dankbar bin.
Sascia: Am HfG-Studium fand ich vor allem spannend, wie man Sachen ausprobiert, denkt und organisiert, ohne dass alles schon festgelegt ist und vor allem ohne dass man sich ganz sicher ist, wie und ob das überhaupt klappt.
Was würdet ihr eurem Erstsemester-Ich heute sagen?
Mathias: Enjoy the ride and express yourself !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Sascia: Hab Geduld und nimm dir Zeit, Dinge wirklich zu verstehen. Am Anfang möchte man oft schnell zu Ergeb-nissen kommen, aber viele wichtige Erkenntnisse entstehen erst über Umwege und durch längeres Ausprobieren. Und vielleicht auch: Vertraue darauf, dass sich mit der Zeit eine eigene gestalterische Haltung entwickelt. Vieles wird klarer, wenn man kontinuierlich arbeitet, schaut, liest und sich mit anderen austauscht.
Danke für das Gespräch!
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