Hansjerg Maier-Aichen (© Florian Maier-Aichen)
Hansjerg Maier-Aichen lehrte ab 2002 als Professor für Produktdesign an der HfG Karlsruhe und blieb der Hochschule auch nach seiner Emeritierung bis weit ins Jahr 2018 mit Lehrveranstaltungen und Seminaren verbunden. In dieser Zeit gestaltete er die Ausbildung im Designbereich durch einen Ansatz, der gestalterische Praxis, Materialverständnis und unternehmerische Erfahrung eng miteinander verband. Seine Lehre war getragen von einem interdisziplinären Verständnis von Gestaltung, das die Grenzen zwischen Kunst, Design und industrieller Produktion bewusst überschritt.
Basierend auf seinen eigenen langjährigen Reiseerfahrungen, insbesondere in Asien, verband er seine Lehrtätigkeit früh mit dem Impuls, den Blick nach Osten zu richten. Dies setzte er über Jahre hinweg, beispielsweise in Zusammenarbeit mit der China Academy of Arts in Hangzhou, in der Lehre um.
Maier-Aichen studierte Malerei und Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München sowie am Art Institute of Chicago, wo er als Fulbright-Stipendiat seinen Masterabschluss erwarb. Sein eigener Werdegang – vom bildenden Künstler über den Designer bis hin zum Unternehmer – war bewusst unkonventionell und wurde für viele Studierende zu einem wichtigen Referenzpunkt. Er ermutigte dazu, disziplinäre Grenzen zu hinterfragen und Gestaltung als umfassenden kulturellen Prozess zu begreifen.
1983 gründete er die Designmarke AUTHENTICS, mit der er international Maßstäbe für alltagsnahe Produkte mit hohem gestalterischem Anspruch setzte. Für eine ganze Generation von Designer:innen, die heute zu den prägenden Stimmen des Fachs zählen (– darunter Konstantin Grcic sowie Ronan und Erwan Bouroullec –) wurde AUTHENTICS zu einer ersten wichtigen Station ihrer industriellen Praxis. In der Zusammenarbeit mit jungen Gestalter:innen entstand ein breites Spektrum an Entwürfen, die Funktionalität, Klarheit und Präzision vereinten. Sein Interesse galt dabei stets auch den Produktionsbedingungen und der Verantwortung von Gestaltung in einer von Konsum geprägten Gesellschaft.
Neben seiner Tätigkeit als Designer und Unternehmer war Maier-Aichen als Autor, Kurator und Berater für internationale Institutionen tätig. Er engagierte sich unter anderem im Rat für Formgebung und war als Gastprofessor am Central Saint Martins College of Arts and Design in London aktiv. Nach dem Ende seiner unternehmerischen Tätigkeit stellte er seine vielfältigen internationalen Kontakte großzügig in den Dienst der Hochschule und ihrer Studierenden. Nach seiner Emeritierung kehrte er verstärkt zu seinen künstlerischen Anfängen zurück und widmete sich erneut der Skulptur.
Seine Lehrtätigkeit an der HfG Karlsruhe war geprägt von großer Neugier, Offenheit und einem wachen Blick für die Komplexität gestalterischer Prozesse. Studierende erlebten ihn als fordernden und zugleich inspirierenden Lehrer, der zur Eigenständigkeit ermutigte und den Wert von Präzision ebenso betonte wie den produktiven Umgang mit Unvollkommenheit.
Mit Hansjerg Maier-Aichen verliert die HfG Karlsruhe eine prägende Persönlichkeit, die die Verbindung von Kunst, Design und Gesellschaft auf besondere Weise verkörperte. Sein Denken und Wirken bleiben ein wichtiger Bezugspunkt für die Weiterentwicklung der Hochschule.
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm verbunden waren.