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Gruppo Due aka Moritz, Bruno, Massi und Jonas. (© Gruppo Due)

Im Gespräch mit Gruppo Due aka Moritz Appich, Bruno Jacoby, Massimiliano Audretsch und Jonas Grünwald,


Hallo GruppoDue! Ihr seid - bis auf Jonas - HfG Alumni - stellt euch doch gerne kurz mal vor: Wer seid ihr und wo findet man euch aktuell?
Hallo, wir sind Bruno, Massi, Moritz und Jonas. Gemeinsam arbeiten wir als Typefoundry Gruppo Due und verfolgen darüber hinaus eine eigenständige gestalterische und künstlerische Arbeit. Massimiliano ist neben seiner gestalterischen Praxis seit letztem Jahr Professor für Typografie an der HSD in Düsseldorf. Bruno lebt und arbeitet in Offenbach; neben seiner freiberuflichen Tätigkeit ist er künstlerischer Mitarbeiter an der HfG Offenbach im Studiengang Type Design. Moritz lebt und arbeitet als freischaffender Designer in Berlin. Jonas ist in Karlsruhe ansässig und arbeitet neben seiner freien künstlerischen Praxis als Developer.

Was habt ihr an der HfG studiert?
Bruno, Massi und Moritz haben alle 3 Kommunikationsdesign studiert. Jonas ist ein alter Freund von Bruno. Er hat als einziger nicht an der HfG Karlsruhe studiert und ist aber mittlerweile der Einzige von uns, der in Karlsruhe wohnt.

Was hat euch zu Beginn eurer Studienzeit bewegt ein künstlerisches Studium anzutreten?
Wir sind alle eher zufällig in der HfG gelandet, aber haben schnell gemerkt, dass uns ein freieres Studium mehr interessiert, als ein angewandtes. Vor allem die interdisziplinäre und semesterübergreifend offene Struktur hat es uns früh dazu gebracht, eigenständige Projekte zu entwickeln. Die Infrastruktur der HfG sowie die gemeinsamen Seminare mit Studierenden aus anderen Fachbereichen haben dabei eine wesentliche Grundlage für unsere individuelle wie auch gemeinsame künstlerische Praxis gebildet. Aus diesem Umfeld sind langjährige Freundschaften sowie bis heute prägende Verbindungen entstanden, die immer noch ein wichtiger Teil unserer Zusammenarbeit sind.

Seit wann gibt es Gruppo Due? Und was hat es mit dem Namen auf sich?
Gruppo Due haben wir schon während unseres Studiums ins Leben gerufen, 2020. Der Name stammt Gerüchten zufolge von einem Graffiti in einer Bar am Werderplatz.

Was ist die Idee hinter dem Kollektiv, warum habt ihr es ins Leben gerufen?
Während unseres Studiums haben wir in Seminaren sowie in eigenen Projekten immer wieder an Schriften gearbeitet. Um Diese einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, haben wir uns zusammengeschlossen und Gruppo Due ins Leben gerufen. Unser Ziel war es, eine gemeinsame Plattform zu schaffen, die es uns ermöglicht, unsere Schriften und Projekte eigenständig und unabhängig zu veröffentlichen. Der Zusammenschluss unter dem Namen Gruppo Due hat uns sichtbarer gemacht und eröffnet neue Formen der Zusammenarbeit. Von Anfang an war es uns wichtig, dass Gruppo Due auch ein Ort für freiere und experimentellere Ideen ist – eine Plattform, auf der wir neue Ansätze und Tools veröffentlichen und ausprobieren können. Gleichzeitig erlaubt uns die gebündelte Struktur, konzentriert an der Ausarbeitung und Finalisierung unserer Schriftprojekte zu arbeiten und uns im Prozess gegenseitig zu unterstützen.

Wer bzw. wie kann man mit euch interagieren oder zusammenarbeiten?
Wir sind ganz offen, wie und mit wem wir zusammenarbeiten, man kann uns gerne einfach eine E-Mail schreiben! Wir freuen uns immer über gemeinsamen Austausch und sind gerade dabei eine Struktur zu entwickeln die es uns ermöglicht auch Schriften in Kollaboration mit externen Designer:innen zu veröffentlichen. Besonders spannend finden wir den direkten Austausch mit Studierenden, etwa im Rahmen von Workshops oder Seminarformaten, da hier ein offener Raum für Experimente, Diskussionen und neue Perspektiven entsteht.

Was fasziniert euch besonders am Thema „Typografie“?
Typografie und Schriftgestaltung sind für uns extrem vielseitige Werkzeuge. Sie bringen Informationen nicht nur in eine decodier- und lesbare Ordnung, sondern haben darüber hinaus ein großes, subtiles, emotionales und poetisches Potenzial. Typografie ist die Verbildlichung von Sprache. Wie ein Satz gesetzt ist, in welchem Kontext er steht und wie er sich zu anderen Informationen verhält, beeinflusst maßgeblich, wie er gelesen und inhaltlich verstanden wird. Der einzelne Buchstabe als kleinste gestaltbare Einheit formt im Zusammenspiel ein größeres Ganzes. Genau dieses Verhältnis von Detail und Gesamtbild, von Mikro- und Makrostruktur, empfinden wir als besonders spannend. Schrift und Layout sind dabei stets auch Ausdruck der jeweiligen Technologie, des kulturellen Kontexts und der gesellschaftlichen Vorstellungen, in denen sie entstehen – und die sich im Laufe der Zeit verändern und neu verhandelt werden.

Wie ist denn der Prozess einer Schriftgestaltung bei euch?
Da wir nicht nur ausschließlich als Schriftgestalter, sondern ebenso als Grafikdesigner arbeiten, entstehen unsere Schriften meist aus konkreten angewandten Projekten und unserer eigenen gestalterischen Praxis. Schriftgestaltung ist dabei ein spannendes Tool für uns, um konzeptionelle und künstlerische Ideen eines Projekts in ein eigenständiges, projektspezifisches Erscheinungsbild zu übersetzen.Die dabei entwickelten Ansätze und Entwürfe bilden häufig die Grundlage für Schriftfamilien, die wir im Anschluss für den Vertrieb weiter ausarbeiten. So ist beispielsweise die G2 Ciao aus Massimilianos Diplomprojekt hervorgegangen, während die G2 Erika im Rahmen eines Seminars an der HfG entstand. Unser Prozess ist dabei meist stark recherchebasiert, wobei uns weniger die klassische Schriftgeschichte interessiert als vielmehr zufällige Funde, Anomalien, kleine Ungereimtheiten sowie Impulse aus anderen Disziplinen.

Arbeitet ihr kontinuierlich an neuen Ideen oder gibt es bestimmte Auslöser für eine Schriftentwicklung?
Für unsere Zusammenarbeit – insbesondere im Hinblick auf die Realisierung von Schriften und die Weiterentwicklung unserer Webseite – mussten wir im Laufe der Zeit immer wieder neue Strategien entwickeln. Zu Beginn von Gruppo Due haben wir alle am selben Ort gelebt, was unserer Zusammenarbeit einen gemeinsamen Rhythmus und eine große Selbstverständlichkeit im Austausch verliehen hat. Inzwischen verfolgen wir neben Gruppo Due jeweils auch eigene Projekte und arbeiten daher zeitlich unterschiedlich intensiv an einzelnen Aufgaben und Schriftfamilien. Gerade dadurch profitieren wir jedoch von einer klaren Arbeitsteilung: Wir unterstützen uns gegenseitig, übernehmen gezielt Aufgaben und können Abläufe flexibel organisieren. Diese Struktur ermöglicht es uns, trotz unterschiedlicher Standorte und Zeitrhythmen kontinuierlich weiterzuarbeiten.

Gibt es eine Schrift, die ihr niemals benutzen würdet oder die ihr ganz schrecklich findet?
Bzw.: Gibt es Typografien/Designs im öffentlichen Raum, die euch erschaudern lassen?
Schriften sind erstmal nicht schrecklich, so wie Farben oder Buchstaben. Es gibt natürlich Trends und Geschmäcker, aber interessanter ist immer, wie die Schriften benutzt werden und was in ihnen geschrieben wird. Was uns stört ist die mittlerweile weit vorangeschrittene gestalterische Kommerzialisierung und Brandisierung des öffentlichen Raums und von kulturellen Institutionen, bei der kein Raum mehr für Reibung übrig bleibt.

An was arbeitet ihr aktuell als Gruppo Due (falls ihr darüber sprechen dürft ;))?
Klar, gerne! Wir haben gerade zwei Auftragsarbeiten abgeschlossen. Für das Design Museum Gent in Belgien eine neue Hausschrift in Zusammenarbeit mit dem Designkollektiv 019. Und für die Stiftung imai in Düsseldorf eine Schrift, bei der es um Hyperlegiblity geht. Beide Schriften werden unter einer Opensource Lizenz kostenlos für alle zur Verfügung gestellt. Sie können dann auf unserer Webseite heruntergeladen werden.

Was habt ihr aus dem Studium an der HfG mitgenommen, was euch heute in euren Tätigkeiten im (Arbeits)alltag besonders hilft ?
Die oft beschworene Interdisziplinarität und der Austausch mit allen anderen Studierenden, egal welcher Fachbereiche, ist etwas, was wir schmerzlich vermissen. Und was oft unterschätzt ist: der physische Raum der HfG ist etwas ganz fantastisches, trotz seiner Eigenheiten. Alle sind zusammen in einem großen Gebäude und können zusammenkommen.

Was würdet ihr eurem Erstsemester-Ich heute sagen?
Noch mehr ausprobieren, öfter nach Frankreich fahren!

Danke euch für das Gespräch!

Mehr Infos zu Gruppo Due gibts hier:
Webseite: https://gruppo-due.com/ Socials: gruppo.due

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