Bauhausgebäude (1925-26), Architekt: Walter Gropius, Abendstimmung zur Konferenz "Bauhaus sammeln", 2019, Stiftung Bauhaus Dessau / Foto: Meyer, Thomas, 2019 / OSTKREUZ
Die HfG Karlsruhe unterstützt das Bauhaus-Manifest 2026 und setzt damit ein Zeichen für Freiheit, Offenheit, Kreativität und gesellschaftliche Verantwortung.
Das Bauhaus steht wie kaum eine andere kulturelle Institution für die Kraft von Kunst, Gestaltung und interdisziplinärem Denken, gesellschaftliche Entwicklungen mitzugestalten. Zugleich erinnert seine Geschichte daran, wie unmittelbar kulturelle Freiheit und demokratische Werte miteinander verbunden sind: Die Verfolgung und Schließung des Bauhauses durch das nationalsozialistische Regime zeigen eindrücklich, wie bedroht freie Kunst, Bildung und kulturelle Institutionen sein können, wenn demokratische und pluralistische Prinzipien unter Druck geraten.
Als Hochschule für Gestaltung verstehen wir uns heute als einen Ort, an dem unterschiedliche Perspektiven, Disziplinen und Haltungen aufeinandertreffen. Die Freiheit von Kunst, Wissenschaft und Lehre ist dafür eine grundlegende Voraussetzung.
Freiheit braucht offene Räume
Eine Hochschule für Kunst und Gestaltung lebt von der Möglichkeit, Fragen zu stellen, Positionen zu entwickeln, Widerspruch auszuhalten und neue Wege auszuprobieren. Gerade dort, wo gesellschaftliche Entwicklungen kontrovers sind, braucht es Räume für offenen und respektvollen Austausch.
Künstlerische und wissenschaftliche Arbeit darf nicht darauf reduziert werden, unmittelbar verwertbare Antworten zu liefern. Sie schafft Möglichkeiten, Bestehendes zu hinterfragen, andere Perspektiven sichtbar zu machen und über das vermeintlich Selbstverständliche hinauszudenken.
Diese Freiheit zu schützen, bedeutet auch, sich gegen Versuche zu stellen, Kunst, Wissenschaft und kulturelle Institutionen politisch zu vereinnahmen, einzuschränken oder zu delegitimieren.
Gestaltung ist gesellschaftliche Praxis
Das Bauhaus hat die Vorstellung geprägt, dass Gestaltung nicht losgelöst von gesellschaftlichen Bedingungen gedacht werden kann. Diese Perspektive ist für die HfG bis heute von zentraler Bedeutung.
Design, Kunst und Medien gestalten unsere Umwelt, unsere Kommunikationsformen und zunehmend auch die digitalen und technologischen Systeme, in denen wir uns bewegen. Sie beeinflussen, wer sichtbar wird, wer Zugang erhält und wie gesellschaftliche Wirklichkeit wahrgenommen und verstanden wird.
Deshalb braucht Gestaltung nicht nur ästhetische und technologische Kompetenz, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung. Die HfG versteht Gestaltung als eine Praxis, die sich mit realen Bedingungen auseinandersetzt und dabei immer auch die Frage stellt, wie wir miteinander leben wollen.
Interdisziplinarität als Stärke
Ein wesentlicher Gedanke des Bauhauses war die Verbindung unterschiedlicher Disziplinen, Perspektiven und Formen des Wissens. Auch die HfG Karlsruhe ist diesem Gedanken verpflichtet.
Die Verbindung von Kunst, Design, Theorie, Forschung, Technologie und gesellschaftlicher Praxis schafft einen Raum, in dem neue Ideen entstehen können. Interdisziplinarität bedeutet dabei nicht nur Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachgebieten, sondern auch die Bereitschaft, die eigenen Methoden und Gewissheiten immer wieder infrage zu stellen.
In einer Zeit komplexer gesellschaftlicher, technologischer und ökologischer Herausforderungen ist diese Offenheit wichtiger denn je.
Erinnerung als Verantwortung
Die Geschichte des Bauhauses mahnt uns, kulturelle Freiheit nicht als selbstverständlich zu betrachten. Erinnerungskultur bedeutet deshalb mehr als die Bewahrung historischer Ereignisse. Sie schafft Orientierung für die Gegenwart und hilft, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.
Als Hochschule sehen wir es als unsere Aufgabe, Geschichte kritisch zu reflektieren und Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven sichtbar werden können. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit den Mechanismen von Ausgrenzung, Diskriminierung und politischer Einflussnahme.
Weltoffenheit und Vielfalt
Das Bauhaus war von Beginn an ein Ort des internationalen Austauschs. Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen prägten seine Entwicklung. Diese Offenheit gehört zu seinem bleibenden Erbe.
Auch die HfG Karlsruhe versteht sich als internationale und vielfältige Hochschule. Austausch, Migration, unterschiedliche kulturelle Perspektiven und die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg sind keine Bedrohung, sondern eine Voraussetzung für kreative und gesellschaftliche Entwicklung.
Eine offene Gesellschaft braucht Orte, an denen Vielfalt nicht nur ausgehalten, sondern produktiv gemacht wird. Hochschulen, Kunst- und Kulturinstitutionen gehören zu diesen Orten.
Für eine Kultur der Offenheit
Das Bauhaus-Manifest 2026 erinnert daran, dass Kunst, Gestaltung, Bildung und Kultur gesellschaftliche Verantwortung tragen. Die HfG Karlsruhe steht für eine Kultur, die Freiheit ermöglicht, Unterschiede zulässt, Kritik aushält und neue Perspektiven hervorbringt.
Wir unterstützen deshalb das Bauhaus-Manifest 2026 und bekennen uns zu einer offenen, demokratischen und vielfältigen Gesellschaft.
Für die Freiheit von Kunst, Wissenschaft und Lehre.
Für interdisziplinäres Denken und Handeln.
Für eine offene und vielfältige Kultur.
Für Räume, in denen Neues entstehen kann.